Geleitboot / Fregatte              EMDEN IV                        

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DIE HAVARIE

Der ehemalige SOPO der EMDEN, Uwe Becker berichtet Erich Stenz am 20.10.2007 lebhaft, was der EMDEN im Ostseeeinsatz am Samstag, den 06.01.1973 westlich von Bornholm widerfahren ist.

Alarm ROMEO auf der EMDEN, alle Mann auf Gefechtstation, das ist keine Übung!

Die EMDEN ist auch am Wochenende wegen einer neuen Antriebsmaschine auf Maschinenerprobung in der Ostsee, der gesamte Testbetrieb wird von zivilem Arsenalpersonal überwacht.

An diesem Samstag, den 06.01.1973 beginnt die EMDEN um 0200 mit der Einstellfahrt bei Geschwindigkeiten von bis zu 16 kn. Auf See herrscht dichter Nebel, der Kommandant wechselt ständig zwischen Brücke und der OPZ hin und her, am Kommandantensichtgerät in der OPZ sitzt der SOPO. Zum Wachwechsel um 0800 kommt der IO in die OPZ, und überredet die beiden abzulösenden Offiziere zu einem Frühstück in die O-Messe. Bevor der SOPO die OPZ verläßt, übergibt er dem IO einen unsicheren Radarkontakt in ca. 7 sm Entfernung zur EMDEN.

Eine halbe Stunde später, um 0830 ertönt plötzlich aus der SLA-Anlage das Morsezeichen ROMEO ---DIT---DA---DIT--- FISCHER NAHE AN BACKBORD. In der O-Messe springt alles auf, Kommandant und SOPO verlassen stürmisch die Messe, Kommandant in Richtung Brücke, SOPO in die OPZ. Und dann gibt es auch schon einen ohrenbetäubenden Knall.

Um 0831 kollidiert die EMDEN mit dem DDR-FISCHTRAWLER BERLIN.

Mit der Gewißheit, daß etwas Schlimmes geschehen ist, löst der SOPO Gefechtsalarm aus, um die Vollzähligkeit der Besatzung festzustellen. ALLE MANN AUF GEFECHTSTATION, KLARMELDUNG DER STATIONEN, DAS IST KEINE ÜBUNG. Der letzte Hinweis war eigentlich nicht erforderlich, denn den Einschlag hatte jeder an Bord mitbekommen. Nach gut 5 Minuten liegen die erlösenden Meldungen vor und besagen ALLE MANN WOHLAUF UND GESUND! Glück gehabt, die von der Havarie betroffenen Wohndecks waren leer!

Die Schadensmeldungen gehen ein. Ein riesiges Loch klafft an der Stelle, wo sich der Trawler achtern in die Backbordwand der EMDEN gebohrt hat. Durch das etwa 5 x 3 m große Loch dringen schnell bis zu 300 Tonnen Wasser in die Abteilung III ein. Das Schiff geht auf gut 10 Grad Schräglage, glücklicherweise halten jetzt die Pumpen. Provisorisch werden eiligst Lecksegel ausgebracht und die Schotten nach Abteilung II und IV gesichert. Um die EMDEN herum noch immer dieser fette, jetzt irgendwie beklemmend wirkende Nebel.

Das Flottenkommando befiehlt der EMDEN über Funk, Rönne/Bornholm als Nothafen anzulaufen. Dort angekommen wird das Leck mit Bordmitteln weiter abgesichert, bevor die EMDEN am nächsten Tag mit langsamer Fahrt und in Begleitung von Schlepper URSUS nach Kiel verlegt. Im Dock 23 bei der HDW in Kiel wird die EMDEN innerhalb von 15 Tagen außen repariert. Anschließend wird sie zum Liegeplatz 11 verholt, um dort die Innenarbeiten abzuschließen.

Einträge im Schiffstagebuch der Fregatte EMDEN IV (F221):
Ostseeeinsatz, westlich von Bornholm Seeausbildung

Samstag, 06.01.1973

0256     Schiff geht Anker auf
0256     Ankermanöverlaterne gesetzt
0259     Ankerlichter gelöscht, Positionslaterne gesetzt
0301     Ankermanöverlaterne gelöscht, Nebelfahrt, Nebelsignale werden gegeben
0800     Nebelsignale werden gegeben
0831     Kollision mit DDR-Fischtrawler BERLIN
            (Heimathafen Rostock, Basisschiff ANDERSON NEXO), leichte Schäden am
            Bbrd. Achterschiff Pos. j 54° 54,5 N Kurs 095 - 5 kn, gleich auf stop und zurück
0835     2 schwarze Bälle gesetzt und 2 rote Rundumlichter für ein nanövrierunfähiges
            oder behindertes Fahrzeug, Fahrtmessung ausgefallen mit Stand 221,6
1035     Bbrd. Welle ausgefallen
1125     Bbrd. Welle wieder klar
1227     Lotsenboot URSUS geht stb länksseits
1228     Lotse an Bord
1238     Laterne gelöscht
1240     Einlaufen in Rönne, Bornholm, DK, notdürftige Reparatur (Werftüberholung)
1245     Lotse von Bord in Rönne/Bornholm

07.01.1973

0807     Schleppverbindung mit Schlepper URSUS hergestellt, 180° Drehung,
            mit Bbrd wieder festgemacht
0833     Schleppverbindung gelöst, Anschließend Verholen nach Kiel mit Schlepper-Begleitung

10.01.1973

1100     Eindocken im Dock 23 bei der HDW in Kiel, hier endgültige Reparatur

25.01.1973

1120     Ausdocken und Verholen zum HDW Liegeplatz 11 zwecks Innenarbeiten

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Dieser Zeitungsausschnitt und das Bild stammen von Gustav Hieck.

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Uwe Becker (SOPO) hatte diese Bilder vom Ausmaß der Havarie für uns in seiner Sammlung.

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Franz Mühl (EloM) hat uns diese Bilder für die Webseite zur Verfügung gestellt.

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G.E. hat uns diese Bilder für die Webseite zur Verfügung gestellt.

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Zeitungsausschnitte von Peter Ußling
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Bilder von Hans-Jochen Sonneborn

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Bilder von Dieter Dellinger

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