Geleitboot / Fregatte              EMDEN IV                        

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Grundberührung am 26. April 1962 bei Osteriff

Der ehemalige Gefreite Kurt Adamovsky hat uns den folgenden Bericht geschickt, sowie den zugehörigen Auszug aus dem Schiffstagebuch des Geleitbootes EMDEN IV (F221) besorgt.

 

Liebe Kameraden,

hier die Schilderung meines Erlebnisses von der Grundberührung der EMDEN am Donnerstag, 26. April 1962 um 03:23 Uhr nahe der Mündung der Oste (Osteriff) in die Elbe, nördlich von Otterndorf / Neuhaus, auf der Fahrt von Cuxhaven nach Hamburg zur geplanten Werftliegezeit für Änderungsarbeiten!

Als Heizer-Gefreiter (MM 42) hatte ich Freiwache und lag schlafend im Heizerdeck in der oberen Querkoje. Auf einmal ein tiefes Schürfen und eine Erschütterung des Bootskörpers von achtern her. Ich wurde wach gerüttelt und an die Wand bzw. gegen das Kojengitter gedrückt. Ich konnte mich gerade noch festhalten.

Die Maschinen wurden ausgekuppelt und das Boot kam zum Stehen. Gleich anschließend ein Versuch mit Rückwärtsfahrt. Erneut das durchdringende Schürfgeräusch der Antriebsschraube und die heftigen Erschütterungen und das Beben des Schiffes. Das Boot bewegte sich nur sehr träge. Darauf hin wurde nur die Stb-Welle ausgekuppelt und es wurde versucht, nur mit der Bb-Welle Fahrt aufzunehmen.

Ich lief mit einigen Kameraden an Oberdeck, es war dunkel und sehr nebelig. Nur einige Leuchtfeuer und schwacher Lichtschein waren vom Festland zu sehen. Dann folgte die Durchsage zum Ankern.  Ich ging unter Deck, konnte aber nicht mehr schlafen. Gut eine Stunde später wurde wieder Fahrt aufgenommen, aber nur mit der Bb-Antriebsschraube. In Höhe Brunsbüttel wurde erneut geankert.

Laut Schiffstagebuch kam um 10:55 Uhr ein Lotse an Bord. Die letzten 36 sm bis Hamburg hat das Boot aus eigener Kraft zurückgelegt. Um 15:05 Uhr wurde die EMDEN von zwei Schleppern in ein Dock der Werft von H.C. Stülcken Sohn in Hamburg-Steinwerder bugsiert. Der Schaden konnte von uns nicht gleich "begutachtet" werden und leider gab es auch ein Foto-Verbot. Der MAD soll auch vor Ort gewesen sein.

Ich hatte Tage darauf die Gelegenheit, mir das Achterschiff von unten anzusehen. Von der Stb-Schiffsschraube, ein KaMeWa-Verstellpropeller mit ca. 3,40 m Durchmesser, war nur noch die Nabe mit den verstümmelten Flügeln zu sehen. Das Ruderblatt stand auch etwas schief und war aufgerissen. Die Antriebswelle vom Stevenrohr bis zur Schiffsschraube war leicht versetzt. Der hintere Teil der Schiffswelle wurde ausgebaut und zum Ausrichten zu einer Spezialfirma nach Schweden gebracht. Der Verstellpropeller wurde erneuert.

Zur Ursache für dieses "Auflaufen" gab es natürlich einige inoffizielle Versionen, von der mir Folgende noch in guter Erinnerung ist:

„ Eine befohlene Kursänderung kam "nicht an", oder wurde nicht ausgeführt."

Von einer offiziellen Version habe ich keine Kenntnis.

Der ca. 7-wöchige Aufenthalt in Hamburg war für uns eine willkommene Abwechslung mit vielen Landgängen (Verbindung durch den alten Elbtunnel), auch wenn die "Heuer" nur bis zum 20. des Monats reichte.

Es gibt ja noch einige Bordkameraden aus dieser Zeit, die als "Zeitzeugen" sicher noch weitere Details liefern, oder meine Erinnerungen präzisieren können.

Mit kameradschaftlichen Grüßen
Kurt Adamovsky

 


Position der Grundberührung


Auszug aus dem Schiffstagebuch der EMDEN

 

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Stand: 23. Februar 2017