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Jürgen Dolles verstarb am 12.10.2013

 

Jürgen Dolles habe ich als damaligen Obermaaten an Bord der wieder in Dienst gestellten Fregatte EMDEN in Wilhelmshaven im Herbst 1967 als bayerischen Landsmann kennen gelernt. Wir bewohnten 1 Jahr lang gemeinsam das Deck XI-Z-1. Zwei Bayern, ein Mittelfranke und ein Oberpfälzer haben damals den Funkabschnitt der EMDEN mit dem Rufzeichen "DBRW" im Zweiwachsystem geleitet.

Jürgen war ein "Vollblutfunker", der bis zu seinem Tode immer wieder sagte, dass er ein "Obermaat alter Prägung" sei und auch bleibe. Oftmals nach dem Einlaufen beim Einlaufbier im Funkraum, bei dem alle Gasten, die Obermaaten, der Funkmeister und der FMO mit anwesend waren, holte Jürgen je nach Stimmungslage oder nach dem 5. Bier seine Trompete aus dem Deck und spielte bis wir abwinkten.

Er war bei der Südamerikareise der Fregatten EMDEN und KÖLN 1970 mit dabei und verzichtete deswegen sogar auf eine Versetzung zum Bootsmannslehrgang. Jürgen hatte das Seefunksonderzeugnis, das nur wenige Obermaate hatten, um am internationalen Funkverkehr teilnehmen zu können.

Nach 12 Jahren holte er sein Abitur nach und ging in den gehobenen Bayerischen Verwaltungsdienst. Er war seitdem beim Amtsgericht München in der Grundbuchabteilung. Als Amtmann ließ sich Jürgen aufgrund sich abzeichnender Depressionen vorzeitig in den Ruhestand versetzen. Jürgen hielt in den letzten Jahren nur noch zum ehemaligen Funkmeister der Fregatten EMDEN und KÖLN, Heinz Kuballa und zu mir Kontakt.

Jürgen war jährlich beim Wochenende an der Jade und nahm sich in Wilhelmshaven immer seine "Auszeit" im Gorch-Fock-Heim. Zumindest bis 2006 war Jürgen bei allen Emdentreffen mit dabei. Danach wurde es ruhiger um ihn. Er lebte auf seiner Datscha in Schwarzenbach. Bei meinen zahlreichen Besuchen gönnten wir uns dann ein Weißwurstfrühstück mit Bier und Brezeln und sprachen über die guten alten Zeiten.

Bei einem Emdentreffen in Flensburg Mürwik, wo wir in den 70iger Jahren gemeinsam als Hörsaalleiter in der Funkausbildung eingesetzt waren, wollten wir es noch einmal wissen und feststellen, ob wir nach 25 Jahren noch in der Lage waren, Tempo 100 (20 Worte pro Minute) zu hören. Dazu ließen wir uns von der Morsegeberzentrale ein Band mit Text auflegen.

Wir waren beide überrascht und in der Lage, nach so vielen Jahren noch immer die Morsezeichen mitschreiben zu können. Einmal Funker, immer Funker. Zur aktiven Zeit hörten wir Geschwindigkeiten von bis zu 160 Zeichen pro Minute.

Besonders lustig ist noch eine Anekdote aus seiner Bordzeit. Jürgen war farbenblind, was nur die wenigsten wussten. Eines Tages wollte Jürgen den Funkraum pönen. Gewöhnlich waren die Funkräume beige gehalten. Nach getaner Arbeit gab es an Bord mit seinen Vorgesetzten Ärger, weil Jürgen den Funkraum rosa gestrichen hatte. Offenbar sah es im Funkraum aus wie im Rotlichtmilieu. Jürgen habe damals den Vorgesetzten aus dem Funkraum hinauskomplimentiert mit dem Hinweis, dass es sich hier um "restricted area" handele und dieser Vorgesetzte hier nichts zu suchen habe. Das gab dann zwar Ärger, wurde jedoch irgendwann ohne weitere disziplinäre Würdigung ad acta gelegt.

Der Tod hat Jürgen am 12.10.2013 am Abend beim Fernsehen ereilt,
wo er einen Herzstillstand erlitt.

Alle die ihn kannten, insbesondere die Kameraden, die ihm besonders nahe standen,
wir trauern um den Obermaaten alter Prägung Jürgen Dolles.

Erich Stenz

 

Weitere Bilder mit Jürgen hier (passwortgeschützt)

 

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Stand: 23. Februar 2017